3.1 Ausbildung, erste Orgeln und Übernahme des Geschäfts

Stellt man einen Vergleich zwischen den ersten Orgeln August Ferdinands und den späten seines Vaters an, so sind Parallelen in der Konstruktion, Disposition und Gehäuseästhetik der Instrumente erkennbar. Über seine Ausbildung bzw. Lehrzeit findet sich keine Quelle. Art und Weise des Baustils lassen aber auf eine Lehre bei seinem Vater schließen, was für diese Branche und die Zeit nichts Außergewöhnliches darstellt. Mit dem Beleg der Mitarbeit im Jahr 1834 beim Vater ist die Wahrscheinlichkeit einer Ausbildung bei Friedrich Wilhelm sehr hoch.

Abgesehen vom Umbau der Orgel in Westeregeln konnte die frühste Mitarbeit an einem Orgelneubau im Jahr 1843 für Unterfarnstädt (auch Unterfarnstedt) nachgewiesen werden. Bei diesem Instrument handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk aller Wäldner (Orgelbauer), was eine Inschrift in der Orgel belegt:

„Diese Orgel ist gebaut worden im Jahre 1843 von dem Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Wäldner und dessen Bruder Wilhelm Wäldner und des ersten Sohn Ferdinand Wäldner aus Halle vor dem billigen Preiß von 1250 RTh.“[1]

Im darauf folgenden Jahr entstand in der gleichen Personalbesetzung ein Orgelneubau in der Paul-Gerhardt-Kapelle in Gräfenhainichen.

„Diese Orgel ist im Jahre 1844 gebaut worden von dem Orgelbaumeister Fr. Wilhelm Waeldner, seinem Bruder Christian Waeldner und seinem Sohn August Ferdinand aus Halle. […]“[2]

Mit der Übernahme des Geschäfts baute er ab 1851 erste Orgeln in Eigenverantwortung. In Anbetracht des kranken Vaters kann man davon ausgehen, dass bis 1852 ausgelieferte Instrumente auf ihn zurückzuführen sind. Zu prüfen wäre dies am Beispiel der nicht mehr vorhandenen Orgel für Krosigk gewesen, die zuvor als Interimsorgel dem Dom diente[3] und bei den Orgeln in Kötzschau und Schmetzdorf. Während der Fertigstellung der großen Dom-Orgel unterzeichnete August Ferdinand bereits ab 1849 als Orgelbaumeister die Korrespondenz.[4]

Am 9. November 1853 erwarb August Ferdinand Wäldner das hallesche Bürgerrecht.[5] Zwei Jahre zuvor hatte er am 11.5.1851 Dorothea Friederike Amalie Kellermann geheiratet,[6] die wiederum die Tochter des Büchsenmachers Johann Chr. Kellermann (zweiter Vorname unbekannt) und Dorothea Christiane, geborene Lippert, war. Kellermann unterschrieb am 31. März 1815 im Bürgerbuch als Bürge Friedrich Wilhelms.[7] Ob vor der Eheschließung der Kinder verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, konnte nicht geklärt werden.

 

[1] Orgelfragebogen Unterfarnstädt, 7. September 1936.

[2] Inschrift auf einem Holzbalkenteil von August Ferdinand Wäldner in der Paul-Gerhardt-Kapelle in Gräfenhainichen.

[3] Vgl. Stüven, Wiesbaden 1964, S. 180.

[4] Vgl. Acta der königlichen Schloss- und Domkirche zu Halle, betreffend der Orgel der Domkirche, deren Reparatur und demnaechstiger Neubau. Akte 515 Bd. 3.

[5] Serauky, Halle 1942, Bd. 2,2, S. 632.

[6] Vgl. Ahnenpass, S. 10.

[7] Vgl. Stadtarchiv Halle, Bürgerbuch, Eintrag 1815.

 

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