Winkel (1822)

Die früheste erhaltene Orgel Friedrich Wilhelms ist aus dem Jahr 1822 und befindet sich in der über 500 Jahre alten St. Andreas Kirche in Winkel (Abb. 5, S. 3). Nach Angaben der Festschrift[1] gab es insgesamt zwei Vorgängerinstrumente, wobei das letztere Friedrich Wilhelm in Zahlung nahm. Bis auf einige Reparaturen und die Abgabe der Prospektpfeifen zu Kriegszwecken (1917) erfuhr das Instrument keine Veränderung. Im 19. Jahrhundert gab es zwar einige Ansätze, das Instrument hinsichtlich der Disposition umzubauen, dies wurde aber aus Kostengründen verworfen. Julius Strobel reichte dazu 1884 verschiedene Entwürfe ein. 1960 und 1985 wurden größere Reparaturen durch Wiegand Helfenbein (Gotha) durchgeführt. Bis heute konnten keine weiteren Instandhaltungsarbeiten vorgenommen werden, weswegen sie in einem schlechten Zustand ist. Zwar spielbar bedarf sie aber einer umfassenden Restauration. Die Orgel zeichnet sich, im Gegensatz zum späteren Stil Friedrich Wilhelms, durch eine barocke Gehäusegestaltung (Ohren) sowie eine ebenfalls dem Barock anhaftende Disposition aus. Er führt nämlich die Klangpyramide bei dem einmanualigen Instrument bis zum einfüßigen Register. Neben einer Mixtur ist ein Cornett enthalten. Trotzdem stehen diesen Registern drei grundtönige gegenüber. Besonders auffällig ist das fehlende Cis im Pedal, was zu dieser Zeit sehr altmodisch war.[2] Wenn in der bereits erwähnten Chronik Wolferstedts die Rede von einer fertigen Orgel ist, die bereits in der Werkstatt stand, so spricht einiges für einen Umbau eines aufgekauften Instruments. Dass Friedrich Wilhelm Wäldner innerhalb der nächsten Jahre einen radikalen Stilwechsel vorgenommen hätte, ist wohl auszuschließen, da zeitnahe Orgelneubauten schon klassizistische Merkmale aufwiesen und diese ständige Verwendung erfuhren.

Disposition (2005):

 

Manual C-d³

 

 

Pedal C-c¹

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedackt

8’

 

Subbaß

16’

 

Hohlflöte

8’

 

Violon

8’

 

Quintaden

8’

 

 

 

 

Prinzipal

4’

 

 

 

 

Gedackt

4’

 

 

 

 

Quinte

2 2/3’

 

Coppel zum Pedal

Octave

2’

 

Calkanten Wecker

Floete

1’

 

 

 

 

Cornett

3f.

 

 

 

 

Mixtur

3f.

 

 

 

 

1828 entstand für die Auslebener Kirche St. Petri das letzte (bekannte) barock gehaltene Instrument (Abb. 6, S. 3). Hier ist das Cis im Pedal vorhanden. Ein weiteres wesentliches Merkmal dieser frühen Instrumente sind die Notenpulte. Es handelt sich um separat abgetrennte Halterungen, die in ihrer Konstruktion der Notenauflagefläche normaler Notenständer ähneln (Abb. 7/8, S. 4). Da zum Zeitpunkt der Orgelaufnahme das Instrument nicht gespielt werden konnte (was sonst möglich ist), lässt sich die Akustik des Raumes schlecht einschätzen. Durch das hölzerne Tonnengewölbe und der geringen Größe des Raumes ist aber z.B. nicht mit einem signifikanten Nachhall zu rechnen. 2002 stand das Instrument auf a’=465 Hz bei 12°C.

 

[1] Vgl. Gemeindekirchenrat Winkel (Hg.): 500 Jahre St. Andreas-Kirche Winkel. Festschrift zum Jubiläum am 12./13. Juni 1999. Winkel 1999.

[2] Vgl. Schlimbach, Georg Christian Friedrich: Ueber die Structur, Erhaltung, Stimmung, Prüfung etc. der Orgel: nebst 5 Kupfert. u. 1 Bl. Noten. Leipzig 1825.

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