Burgkemnitz (1851)

Die einschiffige barocke Dorfkirche aus dem Jahre 1722 beherbergt auf der zweiten Empore im Westen ein Instrument von 1851 (Abb. 13, S. 7). Friedrich Wilhelm wird als Erbauer genannt.[1] Bei dem Gotteshaus handelt es sich um die Patronatskirche der Familie Bodenhausen, die in Burgkemnitz ansässig war.[2] Schon von weitem fällt das Gebäude durch die doppelte Zwiebelhaube des Turms auf. Die Ausstattung des Raumes ist zwar schlicht, aber durch den Erhaltungszustand beeindruckend.[3]

Der klassizistische Prospekt fand in dieser Orgel seine endgültige Form. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms baute August Ferdinand lediglich bis 1855 Prospekte diesen Stils, die aber keine größeren Abweichungen vom Vater aufzeigen und von denen er sich danach abwandte. Zwar entstand in diesem Jahr für Morl (heute in Blankenburg/Kloster Michaelstein) ein ähnliches Instrument, was jedoch, im Gegensatz zur zweimanualigen Orgel in Burgkemnitz, lediglich ein Manual besitzt.

Veränderungen und Eingriffe sind nur aus dem 20. Jahrhundert bekannt. Der erste Hinweis findet sich im Orgelfragebogen.[4] 1937 wurde sie noch nicht gepflegt, was man aber beabsichtigte. Dafür vorgesehen war Orgelbaumeister Köhler aus Pretzsch/Elbe. Ob es dazu kam, bleibt offen.[5] 1954 erfolgte eine Instandsetzung durch Fritz Jandeck aus Halle. 1975 nahm Hellmuth Hildebrandt aus Roßleben eine Holzwurmbekämpfung vor, überarbeitete das Pfeifenwerk, verbesserte die Mechanik, indem er sämtliche Federn austauschte und stimmte das Instrument, wobei Prinzipal 4’, Salicional 4’ und Viola di Gamba 8’ abgeschwächt wurden. Weitere Reparaturen und Stimmungen erfolgten 1988 und 1992 durch Berndt Barthels aus Roitzsch. 1993 wurde die Orgel von der Firma A. Schuster & Sohn aus Zittau grundlegend restauriert. Die Orgelbauer senkten das Pedal ab, ersetzten die Prospektpfeifen (vorher Zink, jetzt Zinn) und erneuerten das Register Cello 8’.[6]

Der Prospekt ist in der Gliederung dem der Schlaitzer Orgel gleich. Abweichend davon ist die Mittelachse räumlich ausgeprägter und überhöht, der Giebel auffälliger. Das Schnitzwerk in den Pfeifenfeldern ist filigraner ausgearbeitet und erinnert nur noch in den Seitenfelder an Akanthusschnitzereien. Anstatt der Vasen befindet sich über den seitlichen Pfeifenfeldern weiteres Schnitzwerk. Die Vorhänge im Mittelfeld wurden ebenfalls ersetzt. Das Gehäuse ist großflächig in weiß gehalten, wobei Schnitzereien und die Pilaster in Gold gefasst sind.

Die Disposition ist in ihrer Anlage sehr pragmatisch. Das Hauptwerk übernimmt den Plenumklang ohne Aliquotregister und mit einem Bordun 16’; das Oberwerk ist romantischer Natur mit lediglich 8’ und 4’ Registern.

Die Akustik lässt wegen der Größe des Raumes und bedingt durch die Holzdecke keinen nennenswerten Hall zu. Insgesamt besitzt das Instrument einen kräftigen Klang. Der Winddruck lag 1937 bei 60 mm WS (Fußantrieb ohne Elektromotor);[7] 1955 wurde er mit 70 mm WS gemessen.[8] Das Stimmungssystem ist heute gleichstufig.[9] 

Disposition (1937/[10] 2005)

 

Hauptwerk C-f³

 

 

Oberwerk C-f³

 

 

Pedal C-c¹

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bordun

16’

 

Viola di Gamba

8’

 

Subbaß

16’

Principal

8’

 

Flauto traverso

8’

 

Violon Cello

8’

Gedackt

8’

 

Salicional

4’

 

 

 

Principal

4’

 

Flauto amabile

4’

 

 

 

Gedackt

4’

 

 

 

 

 

 

Octave

2’

 

Manualcoppel

 

 

Calcantenklingel

Mixtur

3f.

 

Pedalcoppel

 

 

 

 

  

[1] Vgl. Orgelfragebogen Burgkemnitz, 15.5.1936.

[2] Vgl. Förderverein „Barockkirche Burgkemnitz“ e.V. (Hrsg.): Barockkirche Burgkemnitz. Ein Kleinod, in dem Gottes Ehre wohnt. [o.O.] [o.J.].

[3] Vgl. Dehio, Berlin u. München 1976, Bd. II, S. 55.

[4] Vgl. Orgelfragebogen Burgkemnitz, 15.5.1936.

[5] Köhler hatte später nachweislich weitere Berührungen mit Wäldner-Orgeln. Er entfernte z.B. das Wettiner (St. Nikolai) Instrument 1967 im Auftrag der Gemeinde (GKR-Protokoll/Wettin vom 27.10.1967). Wohin das Instrument aus dem Jahr 1838 (Stüven, 1964, S. 213) kam, konnte nicht mehr ermittelt werden. Köhler lieferte zuletzt Instrumente an die Neuapostolischen Kirchen. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass sich Teile der Wäldner-Orgel in solchen Kirchen befinden.

[6] Vgl. Orgeln in Sachsen-Anhalt, Datenbank, Eintrag Burgkemnitz, Dorfkirche.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Behrens, Michael: Orgeln in Sachsen-Anhalt – Bestandsaufnahmen 1990-1993. Inventar der historischen Orgeln des Bundeslandes, erstellt im Rahmen eines Forschungsprojekts am Musikinstrumentenmuseum-Museum der Universität Leipzig. [o.O.] 1993. (unveröffentlichtes Manuskript; vorhanden im Archiv der evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen sowie im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt), Burgkemnitz.

[9] Vgl. Orgeln in Sachsen-Anhalt, Datenbank, Eintrag Burgkemnitz, Dorfkirche.

[10] Orgelfragebogen Burgkemnitz, 15.5.1936.

 

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