Unterfarnstädt (1843)

Für dieses Instrument gibt es im Internet bereits eine neue Einschätzung durch Jiri Kocourek, die man hier herunterladen kann.

 

Zu Unterfarnstädt aus der Magisterarbeit:

Die zwischen 1840 und 1844 entstandene Dorfkirche (Landkreis Merseburg-Querfurt) im Stil romantisierender Gotik ist als Sakralbau in ihrer Art beachtlich.[1] Sie wurde nach Plänen des Generals Hindorf errichtet, der Eindrücke in Schottland sammelte und die Idee mitbrachte.[2] Neben der Tatsache, dass es sich nachweisbar um das erste Gemeinschaftswerk (Neubau) aller Wäldner handelt,[3] erfährt sie ihre Bedeutung durch die Abwendung vom sonst bekannten klassizistischen Stil des Prospekts und den erhaltenen Zungenstimmen (Abb. 11/12, S. 6). Die Orgel wurde augenscheinlich zusammen mit dem Gebäude geplant und errichtet. Das Entstehungsjahr ist mit 1843 angegeben.[4] Weitere Inschriften belegen 1955 eine Holzwurmschutzbehandlung, wobei die Orgel abgetragen wurde. Laut Auskunft soll sie schon 1970 nicht mehr spielbar gewesen sein.[5] Wahrscheinlich wurde der Zustand auch durch den vorgefundenen Kohleofen im Kirchenschiff beschleunigt.

Der dreiachsige Prospekt mit überhöhter und horizontal gegliederter Mittelachse nimmt Stilelemente des Kirchenschiffes auf. Dabei werden die Bögen der Pfeiler im Raum in der unteren Hälfte des Gehäuses und den oberen Abschlüssen der Pfeifenfelder wiedergegeben. Verzierungen der Kapitelle befinden sich an den Abschlussgesimsen. Farblich wurde sie in einem dunklen Holzton entsprechend des Raumes belassen.

Insgesamt besitzt die Orgel 21 Register, verteilt auf zwei Manuale und ein Pedal. Darunter befindet sich eine sehr seltene Posaune 16’ im Pedal mit Holzbechern und eine Trompete 8’ im Hauptwerk mit Metallbechern (Wäldner). Das Pedal muss einen fundamentalen Klang durch die drei 16’igen Register gehabt haben, denen lediglich ein Violon Cello 8’ beiseite steht. Zu Stimmungssystem, Stimmtonhöhe und Klang sowie der Akustik des Raumes können keine Aussagen getroffen werden. Die Kirche ist an sich in einem desolaten Zustand (zerstörte Fenster, Decke, etc.), auch finden sich keine weiteren Hinweise hierzu.

Disposition (1936/[6] 2005)

 

Hauptwerk C-f³

 

 

Oberwerk C-f³

 

 

Pedal C-c¹

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bourdon

16’

 

Gedackt

8’

 

Subbaß

16’

Principal

8’

 

Flauto traverso

8’

 

Violonbaß

16’

Hohlfloete

8’

 

Viola di Gamba

8’

 

Violon Cello

8’

Flachfloete

8’

 

Principal

4’

 

Posaune

16’

Octave

4’

 

Gedackt

4’

 

 

 

Flauto amabile

4’

 

Waldflöte

2’

 

 

 

Quinte

3’

 

 

 

 

 

 

Octave

2’

 

Manualcoppel

 

 

 

 

Cornet

3f.

 

Pedalcoppel

 

 

 

 

Mixtur

4f.

 

Sperrventil zum HW, OW, Pedal

Trompete

8’

 

Kalcantenklingel

 

 

 

 

                 

[1] Vgl. Dehio, Berlin u. München 1976, Bd. II, S. 103.

[2] Vgl. Flyer Kirchenrat Unterfarnstädt.

[3] Vgl. Orgelfragebogen Unterfarnstädt, 7.9.1936.

[4] Vgl. ebd.

[5] Freundliche Mitteilung von Frau Eva Lampe, Kirchenbauverein Unterfarnstädt.

[6] Orgelfragebogen Unterfarnstädt, 7.9.1936.

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